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Wer heute das Wort Post hört, denkt zuerst an Briefe und Pakete, aber über einige Jahrhunderte hinweg übernahm die Postkutsche den Personentransport fast allein. Von 1696 bis 1872 verkehrte in Penig die Postkutsche. Im neunzehnten Jahrhundert wurde sie in dieser Funktion von der Eisenbahn verdrängt. Im zwanzigsten Jahrhundert kam dann der Busverkehr dazu.

GeschichteBearbeiten

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Wikipediaartikel:

Sächsische Postgeschichte
Deutsche Postgeschichte

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Das Postamt in der Bahnhofstraße heute

Bis weit ins späte Mittelalter gab es keine öffentliche Post. Wohl hatten die Herrscher und auch die Städte ihre Kurierdienste aber nicht das gemeine Volk. Erste Ansätze für eine reichseinheitliche Post gab es im 15. Jahrhundert. Bereits 1489 hatte Kaiser Maximilian I. Pferdewechselstationen für Kuriere anlegen lassen. Später verpachteten die deutschen Kaiser die Post an die Familie Taxis. Den Plan einer reichseinheitlichen Post torpedierte Kaiser Matthias aber selbst, da er von dieser Regelung seine österreichiche Erblande ausnahm und die dortige Post einem Grafen von Paar übertrug. Das war Wasser auf die Mühlen der deutschen Fürsten, die ihre eigene Post wollten. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 war der Weg entgültig frei für Landesposten.

Kurfürst Johann Georg I. ernannte am 1. Februar 1613 den damaligen Botenmeister Johann Sieber zum kurfürstlichen Postmeister. Die von ihm eingerichteten Fußbotenverbindungen beförderten zum ersten Mal auch private Briefe und Geldsendungen. Sieber erhielt noch kein festes Gehalt, er durfte die Überschüsse der Einnahmen behalten.

Unter dem Nachfolger Sieber`s, Christoph Mühlbach wurde 1652 die erste reitende Post nach Hamburg eingerichtet.

Am 30. April 1661 erschien die erste Postordnung, in der die Postbeförderung zum landesherrlichen "Regal" erklärt wurde. Der Post wurde das Monopol zur Briefbeförderung gesichert. In den nachfolgenden Erlassen wurden die Rechte der Post geregelt, zum Beispiel ihr Vorrang vor allem anderen Verkehr und die alleinige Benutzung des Posthorns.

1683 fuhr die erste Postkutsche zwichen Leipzig und Dresden. Die Fahrzeuge der Fahrpost waren damals aber durchaus nicht die gelben Kutschen, an die man bei dem Thema unwillkürlich denkt, sondern einfache ungefederte offene Pferdewagen. Sie sollten rot gestrichen werden. Erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts führte man geschlossene Planwagen ein.

Die Einnahmen aus der Postbeförderung stiegen immer mehr und schliesslich wurde die Post verpachtet. Einer der Pächter war der Leipziger Kaufmann war Johann Jacob Kees. Unter ihm und seinem Sohn erlebte die Post einen großen Aufschwung. In Leipzig wurde das Oberpostamt eingerichtet. Ab 1696 verkehrte dann auch in Penig die erste fahrplanmässige Postkutsche auf der Strecke Leipzig, Chemnitz, und Annaberg. Ursprünglich fuhr sie zweimal die Woche, später aber täglich. Penig war durchaus eine wichtige Station, zumindest für die umliegenden Orte, deren Einwohner alle in Penig ihre Briefe und andere Sachen aufgeben mussten beziehungsweise, wenn sie selbst verreisen wollten, in Penig zusteigen mussten.

Die Post war ein lukratives Unternehmen geworden. Desshalb kaufte der sächsische Staat, die Post von Kees`s Sohn zurück. Am 1. Juli 1712 ging die Post in staatliche Verwaltung über. 1713 erschien eine neue Postordnung.

Ab 1800 fuhren durch Penig zweimal in der Woche Eilposten zwichen Leipzig und Prag. Eilposten wurden meisst vierspännig gefahren und waren komfortabler eingerichtet. 1806 wurde aus der bisherigen kurfürstlichen Post die Königlich sächsische Post. 1810 fuhr Johann Wolfgang von Goethe auf dem Weg von Chemnitz nach Altenburg in der Postkutsche durch Penig. Ab etwa 1839 wird die Postkutsche auch zwichen Penig und Zwickau über Waldenburg und Glauchau eingesetzt und auf der Strecke Leipzig-Chemnitz wird eine Paketpost eingerichtet. Seit 1842 verkehrte die königlich-sächsische Post zwichen Penig und Altenburg.

1864 wurde Penig an das Telegrafennetz angeschlossen und 1896 an das Telefonnetz. 1867 ging die sächsische Post in der Norddeutschen Bundespost auf. Der Postkutschenverkehr endete 1872, als auch in Penig die Eisenbahn den Postverkehr übernahm. Das Ende der Personenbeförderung durch die Post war das aber noch nicht. Die Post betrieb ab den zwanziger Jahren bis ins Jahr 1951 eigene Buslinien, von denen aber keine durch Penig führte.

PostgebäudeBearbeiten

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Nachbildung der Distanzsäule auf dem Lutherplatz

Das erste Postgebäude stand in Altpenig an der Straße nach Leipzig. Das war damals die heutige Uhlandstraße. 1811 wurde das Postamt nach Penig verlegt,in das Gebäude Schlossplatz 1, das Gebäude, in dem später das Kino "Tivoli" eingerichtet wurde. Zwichen 1874 und 1888 befand sich die Poststation auf dem heutigen Lutherplatz. Ab 1889 war dann die Post auf der Bahnhofstraße. 1960 wurde in der Chemnitzer Straße ein zweites Postamt eingerichtet. Gegenwärtig gibt es nur eine Postagentur in der Mandelgasse.

PostdistanzsäulenBearbeiten

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Wikipediaartikel:

Postmeilensäulen
Adam Friedrich Zürner

August der Starke lies Anfang des 18. Jahrhunderts durch Adam Friedrich Zürner das Kurfürstentum Sachsen kartografisch aufnehmen und die Poststraßen vermessen. Die Straßen wurden mit Ganz-, Halb- und Viertelmeilensteine versehen sowie in den Städten, meist auf dem Marktplatz oder an den Stadttoren, Postdistanzsäulen aufgestellt.

Penig hatte zwei Postdistanzsäulen, oft fälschlich als Postmeilensäulen bezeichnet. Sie standen vor dem Muldentor und dem Chemnitzer Tor und wurden 1736 aufgestellt, obwohl sie die Jahreszahl 1731 trugen. Als typische Torsäulen hatten sie die Beschriftung auf nur zwei Seiten. Ihr Standort wurde von dem Kondukteur Paul Trenkmann, einem Angestellten Zürners, 1732 festgelegt. Der Rat der Stadt, der die Säulen ja zu bezahlen hatte, wollte sie aus Rochlitzer Porphyr fertigen lassen. Der gräflich-schönburgische Amtmann Siegemund Pitterlin ignorierte allerdings diesen Wunsch und lies die Säulen bei seinem Schwager, dem Chemnitzer Steinmetz Martin Hertel aus Hilbersdorfer Porphyr fertigen.

Der Platz vor dem Muldentor war so knapp, das die Säule auf dem ersten "Pfeiler linker Hand, so man zur Stadt hinausgehet", also genau auf die Brücke, gesetzt werden musste. Auf ihr waren 46 Orte verzeichnet. Wann sie verschwunden ist, ist nicht mehr feststellbar.

Die Säule auf dem Topfanger vor dem Chemnitzer Tor stand gegenüber dem Haus des Töpfers Johann Rößler. Auf ihr waren 30 Orte aufgeführt. 1880 wurde die Säule von dem Waldenburger Bildhauer Eichler repariert. Damals wies sie noch 29 Ortsangaben auf. Bereits Anfang der 30er Jahre war die Schrift nur noch schlecht lesbar. 1941 wurde die Säule dann von einem Lastwagen der Schönburg-Waldenburger Mühle umgefahren. Die Bruchstücke sollen noch bis 1948 auf dem städtischen Bauhof gelegen haben und sind danach vermutlich in Fundamenten und beim Straßenbau verarbeitet wurden.

1988 wurde in der Nähe eine Nachbildung der Säule aufgestellt. Da der originale Hilbersdorfer Porphyrtuff nicht mehr zur Verfügung stand, nahm man jetzt Rochlitzer Porphyr, womit der Wunsch der Peniger Stadtverwaltung des 18. Jahrhunderts sich doch noch erfüllte.

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Gustav Lippold "Penig zur Zeit der Postkutsche 1. Abschnitt von 1696-1810" in "Geschichtsblatt Sonderbeilage zum Tageblatt für Penig und Lunzenau" Nr. 49 1939
  • Heinrich Wielepp-Leipzig "Penig zur Zeit der Postkutsche 2. Vortrag des ehemaligen Postmeisters Heinrich Wielepp-Leipzig, gehalten in der Peniger Landsmannschaft Leipzig am 10. September 1938" in "Geschichtsblatt Sonderbeilage zum Tageblatt für Penig und Lunzenau" Nr. 50 1939
  • Stadtverwaltung Penig "775-Jahre Penig, 14.-23.Juni 2002,Festschrift" Miriquidi-Verlag 2002 ISBN 3-9806774-9-4
  • Klaus Oehmig-Margret Neumann-Annett Tomoscheit "Penig von A bis Z Ein Stadtlexikon" Stadtverwaltung Penig 2002 ISBN 3-9808333-2-1
  • Autorenkollektiv "Lexikon Kursächsische Postmeilensäulen" Transpress 1989

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