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Gedenktafel 1

Die Gedenktafel am Stadtrestaurant

Kaum ein anderes Volk hat in den letzten zweihundert Jahren sein politisches System sooft gewechselt wie das deutsche. Desshalb hat wohl auch kein anderes Volk einen so hohen Bedarf an Denkmälern...und deren Beseitigung. Schauen wir uns in Penig um.

Die weiße SpitzeBearbeiten

Die weiße Spitze, ein schlichter Obelisk aus Rochlitzer Porphyr wurde 1838 zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon errichtet. Er steht hoch über der Mulde auf dem Hühnerberg. Seit 1874 führt unterhalb des Denkmals die Bahnlinie der Muldentalbahn vorbei und irgendwo am Fuß des Berges muß der "Räubertunnel", vermutlich ein alter Stollen, liegen. Sie liegt etwa auf halben Weg an dem Wanderweg nach Amerika.

Auf einem Natursteinsockel steht ein quadratischer Block, der von einem Kegel gekrönt wird. Mindestens seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fehlte der oberste Stein des Kegels. Das Denkmal trägt die Inschrift:

  Zur Erinnerung
d.6.7.8.u.9. Octbr.
      1813"

1978 wurde das Denkmal restauriert. Die Oberfläche erhielt ihre rote Farbe wieder und die Schrift wurde nachgezogen. Dabei erhielt das Denkmal auch wieder eine Spitze; in weiss! Oft wird behauptet, der Name "Weiße Spitze" käme daher, daß das Denkmal früher weiss gestrichen war, aber niemand hat dazu eine nachprüfbare Quelle angegeben.

Erste Denkmäler zum Deutsch Französischen KriegBearbeiten

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Wikipediaartikel:
Deutsch Französischer Krieg

Am 26. Februar 1871 wurde in Versailles ein Vorfriede beschlossen. Am 9. März hatten einige Herren in Barths Gastwirtschaft die Idee, zu diesen Anlass eine Friedenseiche zu pflanzen und schon wenig später, am 23. März wurde die aus der Köbe stammende Eiche in der Nähe der Schule an der Kreuzung Schützenhausweg, Scheunenweg gepflanzt. Ausserdem sollte die Eiche noch einen Gedenkstein erhalten.

Im selben Jahr wurde auch in Chursdorf ein Friedenseiche gepflanzt.

Am 10. Mai war dann der endgültige Friedensschluss. Am 18.Juni 1871 fand in Penig ein Friedensfest statt. Dabei wurde die geplante Gedenktafel enthüllt. Sie trug die Inschrift:

Friede zu Versailles, geschlossen den 2. März 1871.
Friedensfest in Penig, gefeiert den 5. März und
18. Juni 1871

Auf dem Friedensfest machte der Diakon H. Floß den Vorschlag, die Bewohner der "Totengasse" sollten den Antrag stellen, ihre Gasse in "Friedensstraße" umzubenennen. Das taten sie auch und dem Antrag wurde stattgegeben.

Der Verbleib der Gedenktafel war schon 1934 nicht mehr bekannt.

Am 2. September 1872 wurde eine Gedenktafel für die Gefallenen des Krieges am alten Turm angebracht. Der Stifter war vermutlich Dr. Meischner. Sie trug die Inschrift:

Du hilfst uns von unseren Feinden Psalm 44, 8.
Zum Andenken an die aus der Stadt Penig im Kriege
gegen den deutschen Erbfeind 1870 ruhmvoll Gefallenen:
Otto Sieber und Moritz Lenkersdörfer, 1. September
bei Sedan. Julius Müller Wagner, 8. Septbr. in Douzn.
Wilhelm Hoffmann (eis. Kreuz, gold. Heinrichs Medaille),
25. Oktbr. in Chelles. Gustav Schmieder, verwundet
2. Dezbr. in Versailles, gest. 12. Dezbr. in Nördlingen.
- Er aber, der Herr des Friedens, gebe Euch Frieden
allenthalben. 2. Thess. 3, 16.

Wann die Tafel verschwunden ist, ist mir nicht bekannt.

1880 wurde dann noch neben der Friedenseiche ein Gedenkstein mit folgenden Text aufgestellt:

Zur Erinnerung an den im Jahre 1871 geschlossenen Frieden.
Den Frieden wahre uns Gott zu allen Zeiten.

1871 wurden in vielen Orten Friedenseichen gepflanzt, aber weder vorher, also 1813 oder nachher, nach dem ersten Weltkrieg. Ausserdem wurden auch noch andere Gedenkbäume gepflanzt, so 1884 in Chursdorf eine Lutherlinde und eine Wettineiche.

Das Kriegerdenkmal auf dem MarktBearbeiten

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Wikipediaartikel:
Kriegerdenkmale

1895. Vierundzwanzig Jahre waren seit dem Deutsch Französischen Krieg vergangen. Zeit genug, den Grauen des Krieges zu vergessen und das Heldentum zu ehren. Überall in Deutschland entstanden Heldendenkmäler, so auch in Penig.

Stadtrat Vieweg stellte den Antrag zum Errichten dieses Denkmals. Man war begeistert. Diese Begeisterung wurde aber durch die ersten Kostenvoranschläge gedämpft. Diese Mittel wurden gesammelt wobei die Mitglieder des Sedan und Verschönerungsverein selbst von Haus zu Haus gingen. Als Standplatz des Denkmals kam natürlich nur der Markt infrage. Die Figur auf dem Denkmal wurde von dem Bildhauer Kaimdl (?) nach dem Bild des Gefreiten Hofmann vom Infanterieregiment "Prinz Johann Georg" Nr. 107 gestaltet. Am 11. März 1896 wurde das Denkmal aufgebaut und am 10. Mai enthüllt und geweiht. 1897 spendete der Architekt Emil Zschunke noch drei Bronzereliefs mit dem Bildern von König Albert, Wilhelm dem I. und Friedrich dem III. für das Denkmal. Die Forderseite des Denkmals trug folgende Inschrift:

Zur Erinnerung an die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches
 und zur Ehrung ihrer in den Feldzügen 1866 und 1870/71
für das Vaterland gefallene Söhne:
Corporal Franz Unger 2/11 + bei Königgrätz am 3.7.1866
Unteroff. Moritz Lenkersdörfer 3/100 und
Otto Sieber 2/104 + am 1.9.1870 bei Sedan
Soldat Julius Müller-Wagner 2/104
verw. am 1.9. bei Sedan + am 8.9. zu Douzv
Gefreiter Wilhelm Hofmann 4/107 Inh. d. E.K. II. Kl.
u. d. gold. St. H. M. + zu Chelles am 25.12.1870
Schütze Gustav Schmieder 7/108 verw. am 2.12. bei Vil-
liers-Brn + am 12.12. 1870 in Nördlingen
Gewidmet von der Stadt Penig 1895/96

Eine Tafel am Fuss des Denkmals trug die Aufschrift:

Dem Andenken des Gefreiten Hofmann der 4. Comp.
8. Inf.-Regts. Nr 107. Er trug am 18. August 1870
beim Sturm auf St. Privat die schon 6 gefallenen
Kameraden entsunkene Fahne des 1. Bt.s zum Siege.
Gewidmet vom Regiment

Am 21. August 1914 fand am Denkmal die erste Siegesfeier des ersten Weltkriegs statt. Im letzten Jahr des Krieges sollte das Denkmal aus Materialmangel eingeschmolzen werden. Dazu sollte es aber erst nach dem zweiten Weltkrieg kommen.

Die letzten beiden Abschnitte basieren wesentlich auf dem Zeitungsartikel "Das Peniger Kriegerdenkmal" von Albin Schwind in den "Geschichtsblättern" von 1934. [1] Bemerkenswert darin ist der ironische Ton, den Albin Schwind in einer Zeit neuen nationalen Wahns hier teilweise bei der Schilderung der Entstehungsgeschichte des Denkmals (nicht seiner Vorgänger!) anschlägt.

Mahnmale für die Gefallenen der WeltkriegeBearbeiten

Ehrenmal

Das ehemalige Erbbegräbnis auf dem Friedhof

Den nächsten großen Anlass für Denkmäler lieferte der erste Weltkrieg. Überall in Deutschland, so auch in Penig, entstanden Mahnmale für die Gefallenen. Wohl jeder Ortsteil Penigs hatte ein Mahnmal. In Amerika stiftete der Besitzer der Spinnerei ein Denkmal für die gefallenen Arbeiter seiner Fabrik. 1931 wurde das Geißlerische und Zöllnerische Erbbegräbnis auf dem Stadtfriedhof zu einem Mahnmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs umgestaltet.

Mahnmal 1

Das Dittmannsdorfer Mahnmal für die Gefallenen beider Weltkriege

Derartige Mahnmale entstanden nach dem zweiten Weltkrieg in der damaligen DDR nicht. Die DDR hatte wohl ein gespaltenes Verhältnis zu diesen Denkmälern. Mir ist nicht bekannt, daß ein Denkmal abgerissen wurde, sie wurden aber bewusst "vergessen". Meist liess man sie zuwachsen. Desshalb verwundert mich ein Foto aus dem Penigbuch von 1993 [2] sehr, daß den Gedenkstein von Dittmannsdorf zeigt. Auf ihm wird nicht nur der Toten des ersten sondern auch des zweiten Weltkriegs gedacht. Ein Schwarz-weiss-Foto, abgebildet im DDR-Teil. Einfach ein Versehen des Buchautors oder hat es in Penig eine Ausnahme gegeben?

Die Gedenktafel am StadtrestaurantBearbeiten

Der Geschichtsverein zur Peniger Pflege brachte etwa 1929 eine Gedenktafel am Gebäude an, die an die Übernachtung des schwedischen Königs Karl XII. und des Russischen Zaren Peter der Erste in diesem Gebäude erinnert.

Denkmale in der DDRBearbeiten

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Wikipediaartikel:

Ernst Thälmann
Ernst Schneller
Hans Beimler

In der DDR waren Denkmäler vor allem kommunistischen Widerstandskämpfern gegen den Faschismus geweiht.

Das erste Denkmal, das Penig erhielt, war 1960 das Ernst-Thälmann-Denkmal am Tauschaer Weg. Ernst Thälmann war 1925 auf Wahlkampftour in Penig. 1977 wurde dann ein Denkmal für Hans Beimler eingeweiht. 1985 folgte das Arthur-Geißler-Denkmal.

Ausserdem gab es noch mehrere Gedenktafeln. 1964 erhielt der von den Nazis ermordete Peniger Kommunist Arthur Geisler eine Gedenktafel am Haus Langer Berg 3. Am 17. 8. 1969 wurde am "Kulturhaus der Getriebebauer", dem ehemaligen Schützenhaus eine Gedenktafel für Ernst Thälmann angebracht.

Bei der Anbringung der Ehrentafel war auch meine Klasse, die 6B der Oberschule II, beteiligt, wenn auch nur als Statisten.

Im April 1969 erhielten wir den Pionierauftrag, mitzuhelfen, daß am Kulturhaus in Penig eine Gedenktafel zu Ehren Ernst Thälmanns angebracht wird. Unsere Hilfe bestand darin, daß einige von uns zu Arbeiterveteranen, der Stadtverwaltung und dem Bürgermeister geschickt wurden und uns irgendetwas anhörten. Dazu trugen wir natürlich unser Pioniertuch. Das war im Grunde die Hauptsache, denn die "Freie Presse" war immer mit dabei und machte Fotos. Insgesamt vier Bildberichte gab es innerhalb eines halben Jahres über uns.

Was uns dabei erzählt wurde, spielte später in der Schule keine Rolle, weder im Unterricht, den Pioniernachmittagen noch im Pausengespräch. So habe ich erst durch die Zeitung erfahren, daß wir in Briefverbindung mit Irma Gabel Thälmann standen.

Bei der Einweihung der Tafel waren wir natürlich wieder mit dabei und verschönerten die Gegend mit unseren Halstüchern.[3]

Die meissten Denkmale aus DDR-Zeiten verschwanden natürlich nach der Wende.

1992 wurde das Thälmann Denkmal abgerissen und einem Interessenten aus dem alten Bundesländern überlassen. An seiner Stelle steht heute die Nachbildung des Großen Topfes. Wann die Gedenktafel verschwunden ist, ist mir nicht bekannt. 2001 wurde das Hans Beimler Denkmal am Gymnasium abgerissen. Die Gedenktafel für Arthur Geisler wurde bis heute übersehen. Was mit dem Denkmal geschehen ist, ist mir nicht bekannt.

QuellenBearbeiten

  1. Albin Schwind "Das Peniger Kriegerdenkmal" in "Geschichtsblätter Sonderbeilage zum Tageblatt für Penig und Lunzenau" Nr.26 1934
  2. Jürg Fietz und Dieter Richter "Penig Geschichte einer Stadt 1945-1993 Band II", Heimatverlag M. Lehmann & Partner GbR, 1. Auflage 1993
  3. Eigene Erinnerungen von Expeniger

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