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Kellerberge 1

Die Peniger Kellerberge

Die Kellerberge sind ein unterirdisches Gangsystem in Penig, das 2011 500 Jahre alt wird. Sie befinden sich hauptsächlich auf Altpeniger Seite, kleinere Anlagen finden sich aber auch auf der Chemnitzer Straße, dem Langen Berg und der Engen Gasse.

AnlageBearbeiten

Kellerberge 2

Bierfässer in den Kellerbergen

Der Eingang zu den Kellerbergen befand sich ursprünglich auf der Uhlandstraße. Heute sind sie über die Leipziger Straße erreichbar. Die Gänge wurden in Gneisglimmerschiefer geschlagen und sind etwa 2000 Meter lang. Andere Quellen [1] sprechen sogar von einer ehemaligen Länge von acht Kilometern. Sie bilden ein Labyrinth in drei Sohlen. Von den Hauptwegen zweigen nach beiden Seiten viele bogenförmige oder kurze stumpf endende Gänge ab. An Spuren am Eingang kann man erkennen, das diese kurzen Gänge Türen hatten. Teilweise sind auch noch die schon von Emil Berger 1926 erwähnten Nummernschilder erhalten. In kleinen Nischen ist Platz für Heiligenfiguren.

Einige kleinere Räume sind ebenfalls vorhanden. Das Gangsystem verfügte über eine Belüftung und Entwässerung. Die Entwässerung ist sehr einfach und sinnreich gelöst. Das Wasser sammelt sich in Wassergräben und Wasserlöchern und versickert langsam.

Der ehemalige Peniger Lehrer Karl Mühlberg schreibt 1924 in dem Buch Buch "Penig und das Muldental":

Aus dem Chronicon Penicence S. 9a - 10a

"Sonderlich aber hat man hier ein nuetzlich Kleinod, wie ich sonst an wenig Orten gesehen, naehmlich die Keller oder Hoehlen, welche vor zwei Toren zu allernaechst bei der Stadt in ein felsig Gebirge gehauen und ganz luftig erbaut sind". (Wahrscheinlich meint der Chronist neben den Bergkellern vor dem Brückentor in der Altstadt noch andere Stollen am Mühlberg vor dem Mühlen- oder Drachfelstor.) Um 1511 gab es noch keine Brücke, erst später wurde wohl ein Steg errichtet damit die Bewohner der Umgebung schneller zur Kirche gehen konnten. Der ganze Fuhrverkehr ging immer noch durch die Muldenfurt am alten Schloss.[2]

GeschichteBearbeiten

Kellerberge 3

Die heilige Barbara

Den ersten Hinweis auf die Kellerberge finden wir bei dem Chronisten Sebastian Meyer im Jahre 1549. Die meisten zeitgenössigen Autoren interpretieren ihn so, daß die Gänge 1511 von den Brüdern Wollf und Peter Rodten angelegt worden sind. Emil Berger, der die Gänge 1926 untersuchte, zitiert den Chronisten so:

"Seindt anfenklich nach ausweisung des alten Stadtbuchs erfunden =gefunden= entdeckt und zu bawen fürgenommen d. h. in Standt gesetzt, eingebrochne Gänge wurden zugesetzt und mit Bruchsteinen und mit Lehm verstrichen von zwey bürgern und brüdern allhier, nemlich Wolff und Peter Rodten Anno 1511" [3]

Demnach hätten die Brüder Rodten bereits vorhandene Gänge nur ausgebaut.

Im Jahr 1856 lies die Amtshauptmannschaft Rochlitz einen Teil der Gänge verfüllen.

Etwa im Jahr 1926 wurden die Gänge wiederentdeckt und von Emil Berger untersucht. Ein Jahr später, zur 700-jahrfeier der Stadt wurden die Gänge durch den Besitzer des Grundstücks wieder begehbar gemacht, verfielen anschließend aber wieder.

Im Jahr 1933 wurden die Gänge durch ein Kommando des Freiwilligen Arbeitsdienst für den Luftschutz hergerichtet.

Kurz vor der 750-jahrfeier fanden sich wieder Bürger, die die Gänge auf etwa fünfhundert Meter wieder begehbar machten.[4] Sie blieben diesmal bis zum Jahr 1990 geöffnet, dann erzwangen Sicherungsmaßnahmen ihre erneute Schließung. Die Bergsicherung Schneeberg verstärkte Pfeiler, sicherte Stollen und erneuerte die Belüftung. 1995, zum „Tag der Sachsen“, wurden die Gänge wieder geöffnet.

2002 wurde der Eingang auf die Leipziger Straße verlegt und im Juli 2004 ein neues Huthaus eingeweiht. Dort befindet sich auch der Peniger Heimatberg.

VerwendungBearbeiten

Über den Zweck der Anlage gibt es nur Vermutungen. Die früher geäuserte Vermutung, es handele sich um eine Fluchtburg in kriegerischen Zeiten, gilt heute als unwahrscheinlich und daß es sich um Verbindungsgänge zwichen einem Nonnen und einem Mönchskloster handelt, war wohl nur als Scherz gemeint.

Emil Berger hält es für möglich, daß hier erfolglos versucht wurde, Bergbau zu betreiben. Als Beleg für die Möglichkeit führt er an, das das Gestein "mit winzigen Blättchen von Blei- und Silbererzen" durchsetzt ist.

Belegt ist die Verwendung als Bierkeller. Durch die gleichmäßige Temperatur von 8 bis 10 Grad waren sie hervorragend dafür geeignet. Aber auch andere Sachen wurden da gelagert. So nutzten noch in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einzelne Familien die Gänge als Keller.[5]

ZeitzeugenberichtBearbeiten

Uebrigens uuissepnig = Wuestepeneck stammt von meinen Research, aber auch der Datum 981 wurde von mir zu der Wikipedia hinzugefuegt. Mein Grossvater war frueher der Besitzer zu den Eingaengen der Kellerberge, mit

ueber 3000 meter Strick machten wir uns auf Forschung, weiterhinten wo immer Wasser stand war wieder eine Treppe und an einen trockenen Sommer war da kein Wasser mehr und wir gingen weiter bis wir im Schlamm fast steckenblieben, nein dieses riesige System koennen NIE zwei Maenner erhauen, nicht einmal zwanzig Maenner denn es ist ungeheuer gross! Besitze sogar noch eine alte Untergrund Karte welche noch vor dem ersten Weltkrieg von der Freiberger Bergbauakademie angefertigt wurde, jawohl die Grossmutter hatte Gemuese im Keller und wir ueberwinterden Kartoffeln und Rueben. Wenn sie da frueher Bier in den Kellern gehabt haetten dann erstmal der Transport von Penig nach den Dorf Altenpruenn; ich glaube in der Stadt Penig gibt es genug Felsenkeller um da das Bier zu Lagern. [6]

Ein Gang durch die KellerbergeBearbeiten

Tonne

Die Tonne

Pflanzen

Moose und Farne untertage

Der Eingang der Kellerberge liegt auf der Leipziger Straße 52A. Auf einem kleinem Parkplatz kann man sein Auto abstellen. Im Huthaus befindet sich der Peniger Heimatberg. An der Kasse kann man unter anderem Peniger Bücher, Peniger Bier und andere Souveniers kaufen. Der Eintritt in die Kellerberge kostet für Erwachsene 3,50 Euro. Die Führungen werden unklompliziert nach Bedarf vorgenommen. Ich [7]war letzten Sonntag zum Beispiel der Einzige.

Im Huthaus erhält man eine Taschenlampe und einen Helm. Der ist bei der teilweise geringen Höhe der Gänge durchaus nötig. Betreten werden die Gänge über die Teufe. Diese hat Treppen, die aus Gitterrosten bestehen. Wer nicht schwindelfrei ist, bekommt da Probleme. Der erste Raum, den wir betreten, ist die Tonne, so genannt weil er tonnenförmig ausgemauert ist. Er gehörte ursprünglich nicht zu den Kellerbergen und wird für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Die eigentlichen Kellergänge sind nicht ausgemauert. Sie sind teilweise fantastisch beleuchtet. Links und rechts zweigen meist kurze Gänge ab.Viele dieser Gänge sind mit kleinen Fässern und Kannen dekoriert. Wir finden auch ein schädelloses Skelett und eine kunstvoll gestaltete Figur der heiligen Barbara.

Man will es erst nicht glauben, aber man findet in diesen Gängen durchaus pflanzliches Leben. An einer Stelle wachsen im Schein einer Lampe Moose und Farne an der Wand. An einer anderen Stelle hängen unzählige etwa zwanzig Zentimeter lange Wurzeln der darüber stehenden Bäume wie Vorhänge in den Gang.

Natürlich erfährt man auch einige Legenden, so vom Berggeist und vom Soldaten ohne Kopf.

Mein Fazit: Ein Besuch lohnt sich.

Andere GangsystemeBearbeiten

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Wikipediaartikel:

Katakomben
Erdställe

Bei unterirdischen Gängen denkt man wohl sofort an die Katakomben in Rom, die es allerdings nicht nur in Rom sondern auch in anderen italienischen Städten aber auch in Odessa gibt. Diese sind aber wesentlich älter und waren Begräbnissstätten. Wenn also gelegentlich von Peniger Katakomben gesprochen wird, ist dies falsch.

Vor allem im Alpenraum gibt es sogenannte "Erdställe", unterirdische Gänge, über deren Zweck man auch nichts genaueres weiss. Sie sind meisst kürzer als die Kellerberge und besitzen weder Bewetterung noch Entwässerung. Oft haben sie "Schlupfe", kurze enge Stellen, die man nur kriechend passieren kann. Ihr durchschnittliches Alter wird mit etwa tausend Jahren geschätzt.

Aber auch in unserer näheren Umgebung kann man unterirdische Gänge finden, so zum Beispiel in Glauchau, Lichtenstein, Meerane [8] und Eilenburg[9]. Sie sind allesamt kürzer und bilden kein einheitliches System.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heimat-und Geschichtsverein Penig und Umgebung e.V. "Die Kellerberge zu Penig" Stadtverwaltung Penig 2004
  • „Über Amerika ins Tal der Burgen Das Tal der Zwickauer Mulde um Penig“ Bildverlag Thomas Böttger
  • "775-Jahre Penig 14.-23.Juni 2002 Festschrift" Stadtverwaltung Penig und Heimat-und Geschichtsverein Penig und Umgebung e.V. Miriquidi-Verlag 2002 ISBN 3-9806774-9-4
  • Regina Röhner „Geheimnissvolle Gänge“ in „Burgen, Schätze, Spukgestalten“ Chemnitzer Verlag 1996 ISBN 3-928678-31-0
  • MILVERSTÄDT, W.: Das Kellerberglabyrinth zu Penig. DER HÖHLENFORSCHER, Dresden Jg. 8 (1976):21-22.,12 Abb.

  • ENGHARDT, W.: Fortschritte im Kellerberg von Penig. DER HÖHLENFORSCHER (Dresden) Jg. 11(1979) :8-10. 1 Abb.

  • ENGHARDT, W.: Die Stadtkellergänge von Penig. DER HÖHLENFORSCHER, Dresden Jg. 14 (1983) :36-40, 48.

  • ENGHARDT, W.: Die Stadtkellergänge von Penig. :1,16-26, 32-33. DER HÖHLENFORSCHER (Dresden) Jg. 14 (1983) *Sachsen, Kellerstrecken, Montanarchäologie* , 1Karte als Beilage

  • ENGHARDT, W.: Die Befahrung eines Kellerganges in Penig, Uhlandstraße.DER HÖHLENFORSCHER Jg. 12 (1993) :40-42, 1 Plan

QuellenBearbeiten

  1. Regina Röhner „Geheimnissvolle Gänge“ in „Burgen, Schätze, Spukgestalten“ Chemnitzer Verlag 1996 ISBN 3-928678-31-0 Seite 168
  2. Geschrieben von Dr. R. M. O.,deutsche Sonderzeichen umgewandelt von Expeniger
  3. Emil Berger "Beschreibende Darstellung der Keller oder Erdgänge der äußeren Uhlandstraße sowie am alten Brückentore" in "Geschichtsblätter, Sonderbeilage zum Tageblatt für Penig und Lunzenau in zwangloser Folge" Nr. 11/1926
  4. "Die Peniger Kellerberge, eine in ihrer Art einmalige Attraktion, wurden wieder begehbar gemacht" Interview in "Das Zahnrad Organ der BPO der SED VEB Getriebewerk Penig" Nr 7/8 Juni 1977
  5. Bericht von Zeitzeugen
  6. Eigene Erinnerungen von Dr. R. M. O.
    unbearbeitet
  7. Expeniger
  8. Henning Haßmann "Labyrinthe unter westsächsischen Städten" in "archäologie aktuell im Freistaat Sachsen", 4/1996 Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden
  9. Lothar Herklotz Ein Waldenburger Münzschatzgefäß aus dem Kellerberg von Eilenburg, Lkr. Delitzsch" in "archäologie aktuell im Freistaat Sachsen", 3/1995 Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, Dresden

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