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Geschichtsblätter

Kopf der ersten Ausgabe

Ab 1924 erschienen in dem Lokalblatt "Tageblatt für Penig und Lunzenau" Beilagen, die sich vor allem mit der Geschichte von Penig beschäftigten.

1924 bis 1928Bearbeiten

Die Ausgaben in dem Zeitraum trugen unter dem Titel "Geschichtsblätter" die freundliche Aufforderung "Um gefällige Mitarbeit wird gebeten!" und waren nur vier Seiten stark.

Die ersten größeren Artikel stammen von Karl Zeißig. Er beschreibt in mehreren Fortsetzungen Peniger Originale aus seiner Kinderzeit, so zum Beispiel eine Botengängerin, die er nur unter dem Namen Eve kennt, dem Gemeindediener von Niedersteinbach, seiner Nachbarin Frau Richter und dem Türmer Teichgräber. Er schreibt aber auch über den Direktor der Schule Otto Kunze, der für ihm ein Vorbild war.[1] Das ist alles durchaus vergnüglich zu lesen aber leider inspirierte er offensichtlich andere, die das nicht so gut konnten.

Ein wichtiger Autor aus dieser Zeit war Emil Berger. Ihm verdanken wir Artikel über die Tischler und Drechsler Innung, mittelalterliche Rechtspflege[2], Abgaben von Bürgern und Bauern nach der deutschen Besiedelung des Gebiets und einen Untersuchungsbericht über die Kellerberge[3].

Ebenfalls oft veröffentlichte der Journalist Alfred Flemming Artikel. Er schreibt unter anderen über Kriminalfälle aus dem 17. Jahrhundert und "Historische Königsscheiben der Schützengesellschaft zu Penig"[4]. Mit diesem hochinteresanten Thema füllt er fast drei Seiten.

Ein interesanter, aber auch sehr spekulativer Artikel stammt von George Le Mang aus Leipzig-Reudnitz über Bergbau um Penig[5] aus dem Jahre 1924.

G.A. Brommer erinnert sich an seinen Lehrer Kantor Uhlig[6]. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm, wie er einen Schüler wegen eines harmlosen Aprilscherzes verdroschen hat. Ja, das waren noch Zeiten, als noch Zucht und Ordnung herrschten.

Ausserdem erschien noch ein Artikel [7] von einem unbekanntem Autor über Urkunden aus dem 18. Jahrhundert, die die Erfindung eines Flugzeuges beschreiben. Sie stammen von einem Bürger aus Lenitzsch bei Altenburg namens Melchior Bauer.

Viele Artikel waren nicht gekennzeichnet. Es sind nicht alles wichtige Themen. Manche Artikel erwecken in mir den Verdacht, sie sind einfach Lückenfüller. So gibt es Artikel über das Ende der Krinoline, wie der Zufall Moden schafft oder über einen Spaziergang in Penig. Es werden auch Gedichte und Kurzgeschichten zweifelhafter Qualität abgedruckt.

1929 bis 1933Bearbeiten

1928 oder 1929 änderte sich der Kopf der Beilagen. Statt der Unterschrift "Um freundliche Mitarbeit wird gebeten" stand nun "Veröffentlichungen des Geschichtsvereins der Peniger Pflege" und später "Geschichtliche Veröffentlichungen aus der Peniger Pflege" Der Umfang der Beilagen erhöhte sich auf acht Seiten.

Leider besitze ich nur sehr wenige Belegexemplare. 1929 erschien ein Beitrag von Gustav Lippold über Karl Dienemann und seinem Verlag[8]. Der Artikel war sehr umfangreich und enthielt ein detailiertes Quellenverzeichnis. 1930 berichtete Lydia Beckert, von der öfters Gedichte in den Beilagen erschienen sind, aus ihrem Leben.

Ausserdem erschien ein aufschlussreicher Jahresbericht des Geschichtsvereins.

1932 schrieb Alfred Flemming über die Geschichte des Gewerbevereins und es erschien ein Bericht über die Sonntagsschule von 1842. Walter Koch aus Wurzen schrieb über das alte Stromrecht auf der Mulde und Alfred Flemming über das Muldenhochwasser von 1858.

Von Emil Berger erschien ein Vortrag über die Rochsburg.

Ab 1933Bearbeiten

Geschichtsblatt

Kopf der späteren Ausgabe

Ab 1936 erschienen die Blätter auf wesentlich besseren Papier und mit einem neuen Kopf. Auch Fotos tauchten erstmals auf. Die Qualität der Beiträge sank allerdings erheblich.

Das war einesteils auf die Autoren zurückzuführen. Einige Autoren, so Emil Berger, der in der Vergangenheit sehr interessante Artikel geschrieben hat, tauchten nicht mehr auf. Die Gründe dafür sind mir nicht bekannt. Meist stammen die Beiträge nun von einem einzigen Autor. Im Jahr 1933 war das Alfred Flemming. Sprachlich gewand, er war Journalist, ging er nicht wesentlich über das Niveau von Festschriften hinaus. Er war offensichtlich mit den Blättern überfordert und so übernahm 1934 der Geschichtsverein wieder die Herausgabe der Blätter. Der bestand aber offensichtlich nur noch aus Gustav Lippold. Lippold schrieb sehr ausführlich, um nicht zu sagen, weitschweifig. Beeindruckend waren seine Quellenangaben, die in der Form kein anderer Autor mitlieferte. Seine Themen aber waren oft banal.

Kaum ein anderer Autor schrieb noch Beiträge. Eine der wenigen rühmlichen Ausnahmen war der Artikel von Albin Schwind über das Peniger Kriegerdenkmal und seine Vorgänger[9].

Eine andere Ursache war der Rassenwahn der Nazis. Großen Platz nahm jetzt die Ahnenforschung ein. Seitenweise wurden Listen von Ahnen einzelner Familien veröffentlicht. Anfänglich wurde auch platte Propaganda betrieben. So wurde die SS als "schwarze Hussaren" gefeiert. Ein Artikel über den "Peniger Hutkrieg"[10], einer Auseinandersetzung in der Vergangenheit, ob man beim Grüssen den Hut ziehen soll, erschien. Diese Frage war natürlich auch durch die Machtübernahme der Nazis gelöst: Man grüsst mit der Hand.

Als Gustav Lippold nach Zwickau verzog, sank das Niveau entgültig. Krampfhaft wurde nach Artikeln gesucht. So mussten Gedichte und zweifelhafte Geschichten den Platz füllen. Auch ein Artikel über ein ornitologisches Thema erschien jetzt, interressant, aber bisher absolut unüblich[11].

Die Nummern 51 und 52 hatten nur jeweils vier Seiten und es verging mehr als ein Jahr bis zu dem letzten, mir vorliegenden, Geschichtsblatt.

QuellenBearbeiten

  1. Emil Zeißig "Lose Blätter der Erinnerung" in "Geschichtsblätter Sonderbeilage zum Tageblatt für Penig und Lunzenau"(ab jetzt nur noch Geschichtsblätter genannt) Nr.1 und 2 1924
  2. Emil Berger "Mittelalterliche Rechtspflege und Exekution im Amte Penig" in "Geschichtsblätter" Nr.10 und 11 1926
  3. Emil Berger "Beschreibende Darstellung der Keller oder Erdgänge der äußeren Uhlandstraße sowie am alten Brückentor"in "Geschichtsblätter" Nr. 11 1926
  4. Alfred Flemming "Historische Königsscheiben der Schützengesellschaft zu Penig" in "Geschichtsblätter" Nr.4 1925
  5. Georg Le Mang "Penig als Bergstadt" in "Geschichtsblätter" Nr.2 1924
  6. G. A. Brommer "Weiland Rektor Uhlig" in "Geschichtsblätter" Nr.1 1924
  7. Autor unbekannt "Das Flugzeug eines Altenburgers" in "Geschichtsblätter" Nr.1 1924
  8. Gustav Lippold "Dienemann. Eine Familiengeschichte aus Penigs Vergangenheit" in "Geschichtsblätter" Nr.2 1929
  9. Albin Schwind "Das Peniger Kriegerdenkmal" in "Geschichtsblätter" Nr.26 1934
  10. G.L. "Der Peniger Hutkrieg" in "Geschichtsblätter" Nr.20 1934
  11. Otto Melzer "Der Raubwürger als Wintergast in unserer Heimat" in "Geschichtsblätter" Nr.48 1938

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